• Alicia Sailer

Bindung

Wie vermeide ich es BINDUNGsmuster weiter zu vererben?



Bowlby und Ainsworth sind die Begründer*innen der Bindungstheorie.

In etlichen Testungen zum Autonomie- und Bindungsverhalten wurden vier Bindungstypen ermittelt:

  • sicher gebunden (Bezugsperson ist die sichere Basis, von der aus die Welt erkundet wird. Bindung wird gefördert)

  • unsicher-vermeidend gebunden (Bezugsperson wird wie andere Personen behandelt oder vermieden. Selbständigkeit wird gefördert)

  • unsicher-ambivalent gebunden (Bezugsperson wird stark in Anspruch genommen, die Exploration findet reduziert statt. Es besteht keine Klarheit)

  • desorganisiert-desorientiert gebunden (Bezugsperson wirkt verletzend - das Verhalten des Kindes ist widersprüchlich.)

Das Bindungsverhalten wird durch die Beziehung zu den Bezugspersonen in der Kindheit geprägt und besteht oft weiter bis ins hohe Erwachsenenalter. Da das eigene Bindungsverhalten häufig dazu führt, dass entsprechend genauso mit den eigenen Kindern umgegangen wird, spricht man von der Vererbung von Bindungsmustern oder den Bindungstypen.


Die Bindung spielt in sämtlichen Bereichen unseres Lebens eine Rolle:

  • in unseren Beziehungen

  • in unserem Arbeitsleben

  • in unserer Neugierde

  • in unserem Freizeitverhalten

...einfach überall! Umso wichtiger ist es, dass wir uns mit unserer eigenen Bindung auseinandersetzen, reflektieren, welche Auswirkungen das auf unsere Kommunikation und unser Verhalten hat, ebenso, wie wir dem begegnen können.


Umso bewusster wir uns selbst wahrnehmen, umso bewusster können wir damit umgehen und vermeiden unbeabsichtigt andere zu verletzen.


Ob der Wichtigkeit der Thematik, beschäftigt sich der bald erscheinende PÄDcast mit dem Thema Bindung.


Wie wir vermeiden können Bindungsmuster zu vererben, wie wichtig es ist sich zu reflektieren und sensibel mit zum Beispiel Eltern darüber zu sprechen...


Das und mehr erfahren Sie in der baldigen PÄDcast Folge mit einer Fachexpert*in, die Menschen unter anderem darin unterstützt gesund ihr Potential zu leben.



Geschichte der Bindungstheorie:


Die Bindungstheorie ist eklektisch. Sie speist sich aus dem ethologischen, entwicklungspsychologischen, psychoanalytischen und systemischen Denken.


1920ger Jahre waren geprägt von Watson, der für Strenge plädierte. Die Kinder sollten nicht verhätschelt werden, abgehärtet und schreien, damit die Kinder stark werden. Dieser Einfluss hielt bis in die 1940iger Jahre an.


1940 brachte Spok das Buch "Kinder und Säuglingspflege" heraus und läutete so einen Paradigmenwechsel in der Auffassung der Erziehung ein. Spok achtete die Bedürfnisse der Kinder und rückte diesen in den Mittelpunkt.


1940 brachte Bowlby die zentralen Ideen zu seiner Bindungstheorie, zu der Zeit war er Leiter der Eltern–Kind-Abteilung in der Kinderpsychiatrie der Tavistok-Klinik. Bowlby beobachtete dort systematisch Kinder die ein schwieriges Eltern-Kind Verhältnis hatten.


1940 machte Robertsen (Anna Freuds Mitarbeiter und Auszubildender zum Psychotherapeuten) Beobachtungen zu Kindern die ohne Eltern aufwuchsen, und dokumentierte dies auf Videos. Robertson wurde durch Bolwlbys Artikel aufmerksam und arbeitet seit 1948 in seiner Forschungsgruppe mit. Das Video „ein zweijähriges Kind muss ins Hospital“ trug zur Verbreitung der Bindungstheorie bei.


1950 Ainsworth tritt der Forschungsgruppe um Bowlby bei und war beeindruckt von Robertsons Feldforschungen, welche sie später übernahm (Videosequenzen).


1951 Auftrag der WHO zur Situation über heimatlose Nachkriegskinder in Europa


1951 Lorenz und Tinbergergen brachten Studien zum Bindungsverhalten bei Tieren heraus. Bowlby fand den Zusammenhang inspirierend.


1952 Di-Stress in der psychoanalytischen Welt: Es findet ein Diskurs zwischen angeborenem Bindungsverhalten zu gelerntem Bindungsverhalten statt. Anna Freud stärkte Bowlbys Position.


1953- 1955 Feldforschung Ainsworths in Uganda


1955 Rückkehr Ainsworth nach Amerika


1957 Erste offizielle Darstellung Bowlbys Theorie als "Bindungstheorie"


1957 forschte Robertson weiter und belegte Anpassungsstörungen bei Milieuwechsel (in der DDR).


1958 publizierten Bowlby und Ainsworth die Ergebnisse der Ugandaforschung.

Sie gelten als die Pioniere der Bindungsforschung













Definition von Bindung nach M.Ainsworth :


Bindung ist ein gefühlsgetragenes Band, das eine Person zu einer anderen spezifischen Person knüpft und das die beiden dann über Raum und Zeit verbindet.


Nach Ainsworth:

· Bindung heißt Zuwendung, positive und negative

· Bindungen sind spezifisch und bedeuten Unterscheidung

· Bindung ist eine Handlung; sie ist ein Verhalten und damit beobachtbar

· Bindung ist ein aktiver Prozess; sie entsteht nicht einfach dadurch, dass man ein passiver Empfänger von Simulation ist.


Der Akt der Bindung beeinflusst die Reaktion des Objekts. Bindung ist ein zweiseitiger Prozess. Sie bedeutet Interaktion.




Was beinhaltet Bindungsverhalten?


Alle Verhaltensweisen, die gezielt dazu eingesetzt werden, die Nähe zur Bindungsperson herzustellen oder beizubehalten, werden als Bindungsverhalten bezeichnet.

Bindungsverhalten ist Ausdruck der emotionalen Entwicklung und hat Auswirkungen auf soziale Bezugssysteme.

Dazu gehören z.B. Weinen, Rufen, Suchen, Nachfolgen, Anklammern, heftiger Protest Wenn das Bindungsverhalten aktiviert wird, schüttet der Körper das „Bindungshormon“ Oxytocin aus.


Bowlby beschreibt Bindungsverhalten als die Absicht von Menschen, in bestimmten Situationen, wie beispielsweise in angsteinflößenden Situationen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und ihnen nahe sein zu wollen. Er schreibt:

Unter ‚Bindungsverhalten‘ verstehe ich jegliches Verhalten, das darauf ausgerichtet ist, die Nähe eines vermeintlich kompetenteren Menschen zu suchen oder zu bewahren, ein Verhalten, das bei Angst, Müdigkeit, Erkrankung und entsprechendem Zuwendungs- oder Versorgungsbedürfnis am deutlichsten wird.

Das Bindungsverhalten wird in angsteinflößenden Situationen aktiviert und es wird eine Bezugsperson mit feinfühligem Verhalten benötigt, um es zu deaktivieren.

In jedem Menschen ist der Bindungs”wille” biologisch angelegt (Wachstumsimpuls). Korrigierende Veränderungen im Sinne von “Nachreifen” sind möglich."



Was sind Bindungspersonen?


Bindungspersonen sind Menschen, die Anderen Fürsorge zukommen lassen und auch zeitlich ausreichend zur Verfügung stehen. Die Bindung an eine bemutternde Person entwickelt sich im ersten Lebensjahr weitgehend unabhängig von der Qualität der Fürsorge- die einzige Bedingung ist, dass die Fürsorge beständig zur Verfügung steht.


Die Bindung muss sich nicht auf eine Person beschränken, ist aber auch nicht zu unbegrenzt vielen möglich. Während das Kind immer älter wird, wächst häufig auch die Anzahl der Bindungspersonen: In der späten Kindheit und im Jugendalter kommen neben den primären Bindungspersonen auch die frühen Paarbeziehungen als Bindungsbeziehungen in Frage.



Was bedeutet Feinfühligkeit?


Feinfühligkeit ist die Grundvoraussetzung zum Schaffen einer sicheren Bindung. Die Qualität der Bindungskategorie steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ausmaß an Feinfühligkeit, die die Bindungsperson aufbringt.



Brisch beschreibt, dass die Voraussetzung für feinfühliges Pflegeverhalten die „(…) Aktivität von Spiegelneuronen im Gehirn (…).“ ) ist. Sie befinden sich in den Teilen des Gehirns, „(…) in denen Erleben und Verhalten gesteuert wird.“ Die Spiegelneurone werden angesprochen, wenn Menschen Handlungen oder Emotionen bei anderen Menschen beobachten. Nach Ainsworth ist Feinfühligkeit die Fähigkeit, Signale und Kommunikation im Verhalten des Kindes richtig wahrzunehmen, zu interpretieren und auf sie angemessen und prompt zu reagieren. Richtig wahrnehmen und interpretieren bedeutet, das Kind bereits in seinen ersten Bedürfnisäußerungen wahrgenommen und verstanden wird. Die Voraussetzung dafür ist, dass sich die Bindungsperson einfühlen und eigene Wünsche und Bedürfnisse von denen des Kindes unterscheiden kann. Das angemessene Reagieren beinhaltet, dem Kind das zu geben was es braucht, es weder zu überreizen noch zu isolieren und seine Wünsche als berechtigt und bedeutsam anzuerkennen, selbst wenn man sie gerade nicht erfüllen kann. Je jünger das Kind ist, umso prompter sollte auf seine Signale eingegangen werden- das bestärkt es in der Erfahrung der Selbstwirksamkeit und des Liebenswert-Seins. In der mittleren Kindheit geht das feinfühlige Verhalten der Bindungspersonen nicht mehr mit der prompten Befriedigung der Bedürfnisse des Kindes einher, sondern zeigt sich durch eine stabile Präsenz dem Kind gegenüber besonders in Situationen, in denen es auf die Hilfe der Bezugsperson angewiesen ist


Entwicklung des Bindungssystems:


Geburt -> baut Nähe zur Bezugsperson auf -> Weinen (Signalverh