• Alicia Sailer

Bindung

Wie vermeide ich es BINDUNGsmuster weiter zu vererben?



Bowlby und Ainsworth sind die Begründer*innen der Bindungstheorie.

In etlichen Testungen zum Autonomie- und Bindungsverhalten wurden vier Bindungstypen ermittelt:

  • sicher gebunden (Bezugsperson ist die sichere Basis, von der aus die Welt erkundet wird. Bindung wird gefördert)

  • unsicher-vermeidend gebunden (Bezugsperson wird wie andere Personen behandelt oder vermieden. Selbständigkeit wird gefördert)

  • unsicher-ambivalent gebunden (Bezugsperson wird stark in Anspruch genommen, die Exploration findet reduziert statt. Es besteht keine Klarheit)

  • desorganisiert-desorientiert gebunden (Bezugsperson wirkt verletzend - das Verhalten des Kindes ist widersprüchlich.)

Das Bindungsverhalten wird durch die Beziehung zu den Bezugspersonen in der Kindheit geprägt und besteht oft weiter bis ins hohe Erwachsenenalter. Da das eigene Bindungsverhalten häufig dazu führt, dass entsprechend genauso mit den eigenen Kindern umgegangen wird, spricht man von der Vererbung von Bindungsmustern oder den Bindungstypen.


Die Bindung spielt in sämtlichen Bereichen unseres Lebens eine Rolle:

  • in unseren Beziehungen

  • in unserem Arbeitsleben

  • in unserer Neugierde

  • in unserem Freizeitverhalten

...einfach überall! Umso wichtiger ist es, dass wir uns mit unserer eigenen Bindung auseinandersetzen, reflektieren, welche Auswirkungen das auf unsere Kommunikation und unser Verhalten hat, ebenso, wie wir dem begegnen können.


Umso bewusster wir uns selbst wahrnehmen, umso bewusster können wir damit umgehen und vermeiden unbeabsichtigt andere zu verletzen.


Ob der Wichtigkeit der Thematik, beschäftigt sich der bald erscheinende PÄDcast mit dem Thema Bindung.


Wie wir vermeiden können Bindungsmuster zu vererben, wie wichtig es ist sich zu reflektieren und sensibel mit zum Beispiel Eltern darüber zu sprechen...


Das und mehr erfahren Sie in der baldigen PÄDcast Folge mit einer Fachexpert*in, die Menschen unter anderem darin unterstützt gesund ihr Potential zu leben.



Geschichte der Bindungstheorie:


Die Bindungstheorie ist eklektisch. Sie speist sich aus dem ethologischen, entwicklungspsychologischen, psychoanalytischen und systemischen Denken.


1920ger Jahre waren geprägt von Watson, der für Strenge plädierte. Die Kinder sollten nicht verhätschelt werden, abgehärtet und schreien, damit die Kinder stark werden. Dieser Einfluss hielt bis in die 1940iger Jahre an.


1940 brachte Spok das Buch "Kinder und Säuglingspflege" heraus und läutete so einen Paradigmenwechsel in der Auffassung der Erziehung ein. Spok achtete die Bedürfnisse der Kinder und rückte diesen in den Mittelpunkt.


1940 brachte Bowlby die zentralen Ideen zu seiner Bindungstheorie, zu der Zeit war er Leiter der Eltern–Kind-Abteilung in der Kinderpsychiatrie der Tavistok-Klinik. Bowlby beobachtete dort systematisch Kinder die ein schwieriges Eltern-Kind Verhältnis hatten.


1940 machte Robertsen (Anna Freuds Mitarbeiter und Auszubildender zum Psychotherapeuten) Beobachtungen zu Kindern die ohne Eltern aufwuchsen, und dokumentierte dies auf Videos. Robertson wurde durch Bolwlbys Artikel aufmerksam und arbeitet seit 1948 in seiner Forschungsgruppe mit. Das Video „ein zweijähriges Kind muss ins Hospital“ trug zur Verbreitung der Bindungstheorie bei.


1950 Ainsworth tritt der Forschungsgruppe um Bowlby bei und war beeindruckt von Robertsons Feldforschungen, welche sie später übernahm (Videosequenzen).


1951 Auftrag der WHO zur Situation über heimatlose Nachkriegskinder in Europa


1951 Lorenz und Tinbergergen brachten Studien zum Bindungsverhalten bei Tieren heraus. Bowlby fand den Zusammenhang inspirierend.


1952 Di-Stress in der psychoanalytischen Welt: Es findet ein Diskurs zwischen angeborenem Bindungsverhalten zu gelerntem Bindungsverhalten statt. Anna Freud stärkte Bowlbys Position.


1953- 1955 Feldforschung Ainsworths in Uganda


1955 Rückkehr Ainsworth nach Amerika


1957 Erste offizielle Darstellung Bowlbys Theorie als "Bindungstheorie"


1957 forschte Robertson weiter und belegte Anpassungsstörungen bei Milieuwechsel (in der DDR).


1958 publizierten Bowlby und Ainsworth die Ergebnisse der Ugandaforschung.

Sie gelten als die Pioniere der Bindungsforschung













Definition von Bindung nach M.Ainsworth :


Bindung ist ein gefühlsgetragenes Band, das eine Person zu einer anderen spezifischen Person knüpft und das die beiden dann über Raum und Zeit verbindet.


Nach Ainsworth:

· Bindung heißt Zuwendung, positive und negative

· Bindungen sind spezifisch und bedeuten Unterscheidung

· Bindung ist eine Handlung; sie ist ein Verhalten und damit beobachtbar

· Bindung ist ein aktiver Prozess; sie entsteht nicht einfach dadurch, dass man ein passiver Empfänger von Simulation ist.


Der Akt der Bindung beeinflusst die Reaktion des Objekts. Bindung ist ein zweiseitiger Prozess. Sie bedeutet Interaktion.




Was beinhaltet Bindungsverhalten?


Alle Verhaltensweisen, die gezielt dazu eingesetzt werden, die Nähe zur Bindungsperson herzustellen oder beizubehalten, werden als Bindungsverhalten bezeichnet.

Bindungsverhalten ist Ausdruck der emotionalen Entwicklung und hat Auswirkungen auf soziale Bezugssysteme.

Dazu gehören z.B. Weinen, Rufen, Suchen, Nachfolgen, Anklammern, heftiger Protest Wenn das Bindungsverhalten aktiviert wird, schüttet der Körper das „Bindungshormon“ Oxytocin aus.


Bowlby beschreibt Bindungsverhalten als die Absicht von Menschen, in bestimmten Situationen, wie beispielsweise in angsteinflößenden Situationen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und ihnen nahe sein zu wollen. Er schreibt:

Unter ‚Bindungsverhalten‘ verstehe ich jegliches Verhalten, das darauf ausgerichtet ist, die Nähe eines vermeintlich kompetenteren Menschen zu suchen oder zu bewahren, ein Verhalten, das bei Angst, Müdigkeit, Erkrankung und entsprechendem Zuwendungs- oder Versorgungsbedürfnis am deutlichsten wird.

Das Bindungsverhalten wird in angsteinflößenden Situationen aktiviert und es wird eine Bezugsperson mit feinfühligem Verhalten benötigt, um es zu deaktivieren.

In jedem Menschen ist der Bindungs”wille” biologisch angelegt (Wachstumsimpuls). Korrigierende Veränderungen im Sinne von “Nachreifen” sind möglich."



Was sind Bindungspersonen?


Bindungspersonen sind Menschen, die Anderen Fürsorge zukommen lassen und auch zeitlich ausreichend zur Verfügung stehen. Die Bindung an eine bemutternde Person entwickelt sich im ersten Lebensjahr weitgehend unabhängig von der Qualität der Fürsorge- die einzige Bedingung ist, dass die Fürsorge beständig zur Verfügung steht.


Die Bindung muss sich nicht auf eine Person beschränken, ist aber auch nicht zu unbegrenzt vielen möglich. Während das Kind immer älter wird, wächst häufig auch die Anzahl der Bindungspersonen: In der späten Kindheit und im Jugendalter kommen neben den primären Bindungspersonen auch die frühen Paarbeziehungen als Bindungsbeziehungen in Frage.



Was bedeutet Feinfühligkeit?


Feinfühligkeit ist die Grundvoraussetzung zum Schaffen einer sicheren Bindung. Die Qualität der Bindungskategorie steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ausmaß an Feinfühligkeit, die die Bindungsperson aufbringt.



Brisch beschreibt, dass die Voraussetzung für feinfühliges Pflegeverhalten die „(…) Aktivität von Spiegelneuronen im Gehirn (…).“ ) ist. Sie befinden sich in den Teilen des Gehirns, „(…) in denen Erleben und Verhalten gesteuert wird.“ Die Spiegelneurone werden angesprochen, wenn Menschen Handlungen oder Emotionen bei anderen Menschen beobachten. Nach Ainsworth ist Feinfühligkeit die Fähigkeit, Signale und Kommunikation im Verhalten des Kindes richtig wahrzunehmen, zu interpretieren und auf sie angemessen und prompt zu reagieren. Richtig wahrnehmen und interpretieren bedeutet, das Kind bereits in seinen ersten Bedürfnisäußerungen wahrgenommen und verstanden wird. Die Voraussetzung dafür ist, dass sich die Bindungsperson einfühlen und eigene Wünsche und Bedürfnisse von denen des Kindes unterscheiden kann. Das angemessene Reagieren beinhaltet, dem Kind das zu geben was es braucht, es weder zu überreizen noch zu isolieren und seine Wünsche als berechtigt und bedeutsam anzuerkennen, selbst wenn man sie gerade nicht erfüllen kann. Je jünger das Kind ist, umso prompter sollte auf seine Signale eingegangen werden- das bestärkt es in der Erfahrung der Selbstwirksamkeit und des Liebenswert-Seins. In der mittleren Kindheit geht das feinfühlige Verhalten der Bindungspersonen nicht mehr mit der prompten Befriedigung der Bedürfnisse des Kindes einher, sondern zeigt sich durch eine stabile Präsenz dem Kind gegenüber besonders in Situationen, in denen es auf die Hilfe der Bezugsperson angewiesen ist


Entwicklung des Bindungssystems:


Geburt -> baut Nähe zur Bezugsperson auf -> Weinen (Signalverhalten) -> Pflegeverhalten ist Komplement zum Bindungsverhalten -> in ersten Monaten Signale eher wahllos -> 3 – 4 Monate unterscheidet Personen, lenkt Bindungsverhalten zielgerichtet -> 6 Monate Nähe wird erhalten durch Greifen, Bindungsverhalten effektiver & zielgerichteter -> 8 – 9 Monate Kummer bei Trennung, sucht nach Pflegeperson wenn Bindungsperson nicht anwesend -> 12 Monate ist zur festen Bindung fähig -> kann eigene Bedürfnisse und die der Bindungsperson berücksichtigen -> lernt etwas über Pläne & Ziele der Bindungsperson -> Weltbild wird komplexer, Verhalten flexibler -> Grundlagen für komplexere Beziehung = zielkorrigierende Partnerschaft



Bindungskategorien , Bindungsmuster und „Innere Arbeitsmodelle“


Das Bindungsmuster entwickelt sich anhand der erfahrenen Bindung durch die Bezugsperson(en). Dabei spielen Kognition, Biologie, Genetik keine Rolle


1.sicher gebunden

2.unsicher- vermeidend gebunden

3.unsicher- ambivalent gebunden

4.desorientiert - desorganisiert gebunden



1.Sicheres Bindungsmuster

Das sicher gebundene Kind hat Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Bindungsperson und exploriert in deren Anwesenheit ungestört. Die Bindungsperson wird als sichere Ausgangsbasis zur Erkundung der Umwelt wahrgenommen. Bei der Trennung von ihr zeigt das Kind deutliches Bindungsverhalten mit Rufen, Suchen und Weinen. Es wirkt sehr gestresst. Das Kind differenziert deutlich zwischen der Bindungsperson und lässt sich von der fremden Person nicht trösten. Bei Rückkehr der Bindungsperson demonstriert das Kind Freude und sucht sofort den körperlichen Kontakt. Infolge der Erfahrung von vorhersagbarer Beruhigung durch die Bindungsfigur kann es sich schnell wieder explorierend seiner Umwelt zuwenden. Das sicher gebundene Kind verfügt über ein inneres Arbeitsmodell, in dem die Bezugsperson als zuverlässig repräsentiert ist.

Arbeitsmodell: Autonome Struktur. Im Erwachsenenalter entspricht dies einem sicher-autonomen Bindungsstil. Sind fürsorglich, nicht übergriffig, können sich gut abgrenzen, gutes Nähe/Distanz Verhältnis. Zu ihren Kindern können sie einen sicheren Bindungsstil entwickeln.


2.Unsicher-vermeidendes Bindungsmuster

Das unsicher-vermeidende Kind zeigt bei Abwesenheit der Bindungsperson kein Anzeichen der Beunruhigung oder des Vermissens. Es exploriert scheinbar ohne Einschränkung weiter, zeigt nur wenig Bindungsverhalten und akzeptiert die fremde Person als Ersatz. Innerlich ist das Kind sehr aufgewühlt. Spätere Untersuchungen konnten belegen, dass die Deaktivierung und Unterdrückung des Bindungsverhaltens mit einer hohen emotionalen Belastung einhergeht. Bei Rückkehr der Bindungsperson wird diese ignoriert und Körperkontakt abgelehnt. Das unsicher-vermeidend gebundene Kind hat die Bindungsperson als zurückweisend verinnerlicht. Um diese Zurückweisung nicht permanent erfahren zu müssen, wird der Kontakt vermieden und möglichst keine Verunsicherung gezeigt. Die Bindungsperson zeichnet sich durch einen Mangel an Affektäußerung, durch Ablehnung und Aversion gegen Körperkontakt sowie häufige Zeichen von Ärger aus. Das Kind kann kein Vertrauen auf Unterstützung entwickeln, sondern erwartet Zurückweisung. Infolge dessen unterdrückt das Kind seine Annäherungsneigung, um zumindest in einer tolerierbaren Nähe zur Mutter zu bleiben. Negative Gefühle werden unterdrückt.

Arbeitsmodell: Distanzierte Struktur. Als Erwachsene äußert sich dieser Bindungsstil in einer hohen Distanz zu Bindungsthemen. Erinnern sich kaum an Ereignisse aus der Kindheit. Beziehungen werden idealisiert und Widersprüche schwer erkannt. Sind misstrauisch, brauchen Zeit sich zu öffnen. Halten sich für stark und unabhängig. Nach Ainsworth bauen diese Eltern eine unsicher-vermeidende Beziehung auf.


3.Unsicher-ambivalentes Bindungsmuster

Das unsicher-ambivalent gebundene Kind ist stark auf die Bindungsperson fixiert. Durch seine chronische Aktivierung des Bindungssystems ist es auch bei Anwesenheit der Bindungsperson stark in seinem Explorationsverhalten eingeschränkt. In seinem inneren Arbeitsmodell ist die Bindungsperson nicht berechenbar. Die unvorhersagbaren Interaktionserfahrungen mit der Bindungsperson führen zu Ärger und Widerstand beim Versuch der Bindungsperson, das Kind zu trösten. In mehrmaliger Aufeinanderfolge scheint das Kind aggressiv und ärgerlich auf die Bindungsperson, andererseits sucht es im nächsten Moment Kontakt und Nähe. Negative Gefühle können nicht integriert werden.

Arbeitsmodell: Verstrickte Struktur. Erwachsene scheinen in früheren Beziehungen gefangen. Sie berichten über diese Beziehungen inkohärent und mit negativer affektiver Besetzung. Sie haben ein verwirrtes und widersprüchliches Verhalten. Sind passiv, ängstlich oder ärgerlich gegenüber ihren Bindungspersonen. Dieser Bindungsstil von Erwachsenen wird auch als unsicher-präokkupiert bzw. bindungsverstrickt bezeichnet. Zu ihren Kindern werden sie eine unsicher ambivalente Bindung aufbauen.


4.Unsicher desorganisiertes Bindungsmuster

Das unsicher desorganisiert gebundene Kind zeigt im Vergleich zu den anderen Bindungsmustern eine wenig durchgängige Verhaltensstrategie, sondern zeichnet sich durch emotional widersprüchliches und inkonsistentes Bindungsverhalten aus. Diese Verhaltensweisen sind insbesondere motorische Sequenzen von stereotypen Verhaltensweisen, oder die Kinder halten im Ablauf ihrer Bewegungen inne und erstarren ("freezing") für die Dauer von einigen Sekunden. Es lässt sich generell kein bestimmtes Verhalten bei Trennung und Rückkehr der Bindungsperson festmachen. Gleichzeitig kommt es zu genauso erhöhten Stresswerten wie beim unsicher gebundenen Kind .Dieses Bindungsmuster wird als ein "Steckenbleiben zwischen zwei Verhaltenstendenzen", der Nähe zur Bindungsperson und der Abwendung von ihr, gesehen. Die emotionale Kommunikation ist gestört, weil die Bezugsperson gleichzeitig Quelle und Auflösung der Angst ist. Das desorganisierte Bindungsmuster kann als Zusammenbrechen von organisierten Strategien in bindungsrelevanten Situationen bezeichnet werden.


Es wird von einem unverarbeiteten Traumata der Bindungsperson ausgegangen. "In der täglichen Pflege- und Spielerfahrung der Bezugsperson mit ihrem Säugling und Kleinkind werden (...) eigene Erinnerungen und Gefühle aus der eigenen Kindheit und der Bindungserfahrung mit den eigenen Eltern wachgerufen. Die damit verbundenen angenehmen sowie emotional belastenden Gefühle und Bilder können durch Projektionen die Beziehung zum eigenen Kind bereichern, oder auch schwerwiegend behindern, verzerren oder sogar dazu führen, dass im schlimmsten Fall wiederbelebte Erinnerungen - etwa einer Missbrauchssituation oder einer Verlassenheitserfahrung - mit dem eigenen Kind wiederholt werden müssen. Diese "frightening-frightended"-Kollusion entsteht somit, wenn bei der Bindungsperson durch die Interaktion mit dem Kind traumatische Erfahrungen reaktiviert werden, die bedrohlich und ängstigend sind und die unbewusst bleiben.


Das Kind erlebt eine Unterbrechung seiner Bindungsstrategie; trotz realer Anwesenheit ist die Bindungsperson emotional unerreichbar. Kinder, die misshandelt wurden oder deren Bezugspersonen unter eigenen unverarbeiteten Traumatisierungen leiden, zeigen häufig dieses Bindungsmuster. Es besteht ein enger Zusammenhang mit familiären Risikofaktoren wie Misshandlung, psychischen Störungen und Suchtverhalten.


Beim Erwachsenen zeigt sich eine gedankliche Inkohärenz und Irrationalität bei bestimmten Themen wie Tod oder Trennung, während bei anderen Themen Elemente anderer Arbeitsmodelle gezeigt werden.


Bindungsstörung an zwei Beispielen :


Bei Kindern mit Bindungsstörungen zeigen sich erhebliche Veränderungen im Verhalten mit den verschiedenen Bezugspersonen. Diese Verhaltensweisen treten nicht nur situativ auf, sondern sind als stabiles Muster und über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Die Klassifikation von Bindungsstörungen kann erst nach dem 8. Lebensmonat erfasst werden.

(> „fremdeln“ , Kind sollte zwischen vertrauten, primär bevorzugten Bezugsperson und fremder Person eindeutig differenzieren können.)

Ein bestimmtes Bindungsmuster kann nicht direkt einer Psychopathologie zugeordnet oder bestimmt werden. (Test: AAI = Adult Attachment Interview zur Diagnosestellung im Erwachsenenalter, ist im ICD10 nicht berücksichtigt.)


- Kinder zeigen keine Anzeichen von Bindungsverhalten

Zum Beispiel :

Kein Bindungsverhalten gegenüber Bindungsperson > In Bedrohungssituationen suchen sie nicht die Nähe oder der Schutz bei der primären Bezugsperson. Bei Trennungssituationen reagieren sie nicht mit Protest oder sie protestieren bei Trennungen von jeder beliebigen Beziehungsperson ganz undifferenziert. Auffällig ist, dass sie keine Bezugsperson besonders bevorzugen. ( kein Hinweis auf sicheres Bindungsverhalten) Diese Kinder zeigen vermeidendes Bindungsverhalten. Dieses Verhaltensmuster können Heimkinder entwickeln oder Kinder die schon im Säuglingsalter viele Beziehungsabbrüche - und Wechsel erlebt haben und zum Bsp. in verschiedenen Pflegestellen aufgewachsen sind. Oder Kinder die in ihren Familien kein Bindungsangebot erhalten. Wichtig ist hier: die Abgrenzung zu autistischen Verhalten. (mögliche Symptome hierfür wären zum Beispiel: Stereotypien, Vermeidung von Körperkontakt, Retardierung in der Sprachentwicklung)


Diese Kinder konnten keine stabile, verlässliche Bindung aufbauen. Für sie gibt es keine Bindungsperson als sicheren Ort, der bei Angst und Bedrohung Schutz bietet. Kinder mit unsicher-vermeidenden Bindungsmustern unterscheiden sich dadurch, dass sie eine Bindung zu einer primären Bezugsperson haben.


- Kinder zeigen undifferenziertes Bindungsverhalten:

Z. B. Diese Kinder verhalten sich freundlich (bis distanzlos) gegenüber allen Bezugspersonen und differenzieren nicht zwischen vertraut, oder schon länger bekannt oder ganz fremden Personen. Die Kinder möchten in stressvollen belastenden Situationen getröstet werden, wenden sich aber an jede beliebige Person auch an absolut Fremde. Der Bezugsperson gelingt es selten das Kind vollständig zu beruhigen, so dass es getröstet weiterspielen kann.

Auch der sogenannte Unfall-Risiko-Typ gehört dazu. > Keine Rückversicherung vom Kind bei der Bezugsperson findet statt. Kinder ignorieren die Gefahren. Trotz vieler Unfallerfahrungen erfolgt kein Lernprozess, das Risikoverhalten wird fortgeführt. Die Kinder scheinen wie „getrieben“ zu diesem Verhalten. Tritt auf bei Heimkindern, Pflegekindern mit wechselnden Bezugspersonen aber auch bei vernachlässigten Kindern.> wichtig Abgrenzung zu Kindern mit ADHS oder ähnliches, sie zeigen kein so verstärktes Risikoverhalten.





Hilfe für bindungsgestörte Kinder und Erwachsene


Was ist hilfreich?

  • Traumata therapeutisch bearbeiten auch bei Eltern und Kindern, verlässliches korrigierendes Beziehungsangebot, auch Arbeits-Bindung hat positiven Einfluss. Positives eigenständiges Selbstkonzept entwickeln, …früh ansetzten… Eltern -Kind- Programme zur Bindungsstärkung…Interaktionen positiv gestalten …

  • Kinder und Jugendliche mit desorganisiertem Bindungsverhalte zeigen in der Regel traumatisierte Verhaltensweisen, deshalb sind Erkenntnisse aus der Traumatherapie hilfreich und wichtig.

  • Betroffene benötigen eine dauerhafte, korrigierende Beziehungserfahrung durch Wertschätzung, Anerkennung, Respekt und Mitgefühl.

  • Unterstützung bei der Entwicklung eines eigenständigen ,positiven Selbstbildes.

  • Loyalitätskonflikte im Bezug auf die Herkunftsfamilie vermeiden

  • Verstehen der verinnerlichten Schemata von Bindung

  • Sicherung der kontinuierlichen Bezüge

  • Das Leben berechenbar machen, Schutz und Kontrolle anbieten

  • Reaktion des Kindes ist „normal“ bei gemachten schwierigen Erfahrungen

  • auch äußere Sicherheit anbieten und auf Schutzbedarf regelmäßig überprüfen (Zimmer, Türen auf Wunsch abschließen...)

  • Elternarbeit auch mit Konfrontationen falls nötig

  • Affektmanagement trainieren d. h. eigene Gefühle wahrnehmen, zu tolerieren, zu formen, zu bewältigen durch Selbstbeobachtung, Selbstregulation, Grenzsetzung und Bestätigung und Austausch sowie Vernetzung.


Was wirkt sich negativ aus?


Unbearbeitete Traumata der Eltern können die Bindung zu den Kindern negativ beeinflussen. Und spätere psych. Erkrankungen begünstigen. Unbearbeitete Traumata der Kinder haben gravierende negative Auswirkungen auf deren Bindungsverhalten und Entwicklungsmöglichkeiten.

Deshalb ist es wichtig, dass Eltern mitarbeiten an Problemstellungen.

Eigene negative Bindungserfahrungen können die Eltern- Kind Interaktionen negativ beeinflussen.


Bindungsrelevante Themen wie Trennung, Verlust, Angst, Sicherheit, Exploration können nur bearbeitet werden wenn eine sichere Basis gewährleistet ist.

Trennungserfahrungen können reaktiviert werden z. B bei Unterbrechung der Therapie oder HPS > sensibler Umgang nötig, Übergangsobjekte können auch hilfreich sein.

Erinnerungen können sehr angstbesetzt sein ( Missbrauchserfahrungen, Gewalterfahrungen..) und Reaktionen auslösen.


  • Vorsicht bei „Trigger“- Situationen, d. h. Auslöser/ Erinnerungen die Angst -oder Panikreaktionen freisetzen.

  • psychosomatische Symptomatik kann entwickelt werden, wie Wachstumsretardierung, frühkindliche Deprivation bis zu Hospitalismus

  • Auswirkungen eines desorganisierten Bindungsmusters können Borderline – Störungen begünstigen, dissoziative Erkrankungen, auch Multiple Persönlichkeitsstörungen.


Wer hilft bei Bindungsproblematiken?


Je nach Schwere der Schwierigkeiten, die sich aus der Bindung ergeben, ist eine Psychotherapie, heilpädagogische Familienhilfe oder heilpädagogische Frühförderung geeignet.


Heilpädagog*in werden





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über: eempower@asailer.de oder die PÄDcast Facebookgruppe


Literatur & Links


Ainsworth, M. D., Blehar, M., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Lawrence Erlbaum. Berk, L. E. (2005). Entwicklungspsychologie. München: Pearson. Bowlby, J. (1969/1982). Attachment and loss. New York: Basic Books. Lohaus, A., Vierhaus, M., & Maass, A. (2015). Entwicklungspsychologie. Berlin: Springer. Van Ijzendoorn, M. H. (1995). Adult attachment representations, parental responsiveness, and infant attachment: a meta-analysis on the predictive validity of the Adult Attachment Interview. Psychological bulletin, 117, 387. Waldinger, R. J., Cohen, S., Schulz, M. S., & Crowell, J. A. (2015). Security of attachment to spouses in late life: Concurrent and prospective links with cognitive and emotional well-being. Clinical Psychological Science, 3, 516-529. Waters, E., Merrick, S., Treboux, D., Crowell, J., & Albersheim, L. (2000). Attachment security in infancy and early adulthood: A twenty‐year longitudinal study. Child development, 71, 684-689. https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie https://kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/psychologie/1722 https://www.kindererziehung.com/Paedagogik/Entwicklung/Bindungstheorien.php


Spannende Studie:

Bindungsstörungen | SpringerLink

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